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B S V - Badischer Schachverband e.V.

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Aktuelles
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Kategorie:
Verbandstag Verbandstag/Kongress
vom 29.05.2017, 21:12 von Dr. Uwe Pfenning (veröffentlicht von Frank Schmidt)
Jetzt wird es offiziell:
Zwei Kongresse – zwei Welten
 
Die erste Welt: Der BSV
In harmonischer Atmosphäre verlief der diesjährige Verbandstag des BSV in Pforzheim in der Bildungs- und Tagungsstätte Hohenwart. Im angenehmen Ambiente kamen über 50 Delegierte und das Präsidium zusammen und berieten über Haushalt, Personalfragen, Ausbildung und Berichte.
Sicherlich fanden die Neuwahlen zweier Präsidiumspositionen das meiste Interesse. Zum einen konnte Michael Neis das kommissarisch übernommene Finanzressort nach einer beruflichen Veränderung nicht weiterführen. Ihm gilt unser Dank für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Position von 2016-2017 nachdem Erich Renschler leider krankheitsbedingt zurücktrat. Für diese Position kandidierte mit Jürgen Dammann einer der erfahrensten Aktiven im BSV.
Nach seiner Wahl wiederum war der Posten eines/einer Vizepräsidenten/Vizepräsidentin unbesetzt. Für diese Position kandidierte Irene Steimbach als weitere aktive Größe im BSV und in der SJB.
Beide Kandidaten wurden einhellig gewählt. Damit hat Baden als einziger Landesverband im DSB zwei Vizepräsidentinnen (Alisa Frey und Irene Steimbach). Die Emanzipation hat den BSV erreicht. Hinzu kommt Kristin Wodzinski als nominiertes Präsidiumsmitglied durch den Vorsitz in der SJB. Dies ist geballte Frauenpower im Schach.
Vor allem verbessert sich damit auch die organisatorische Kompetenz im BSV, denn gerade Irene steht hier für äußerste Zuverlässigkeit und äußerstes Engagement, gewissermaßen eine Großmeisterin der Organisation. Auch die Anbindung an das Schachzentrum Baden-Baden ist damit gewährleistet.
Der Haushalt wurde schon durch Michael Neis verstärkt auf digitale Kassenführung und vereinfachte Kontenführung umgestellt. Er sieht im laufenden Geschäftsjahr ein Defizit von rund 4.000 Euro vor. In ihm sind auch deutliche Erhöhungen für die Jugend (plus 4.000 Euro) und die Senioren (plus 2.000 Euro) vorgesehen. Das vergangene Geschäftsjahr endete mit einem abermaligen Überschuss von rund 1.500 Euro, davon allerdings ca. 900 Euro außerordentliche Zinserlöse. Der BSV ist solide und liquide finanziert. Die Rücklage mit gut 66.000 Euro unverändert hoch.
Begleitet war der Verbandstag von Berichten und Informationen, so der Schachfreunde aus Freiburg zur Verleihung des Qualitätssiegels »Top-Verein in der Mädchenförderung«, souverän und engagiert vorgetragen von Barbara Hund. Zuvor erläuterte der Geschäftsführer der GKL Michael Meier aus Württemberg die Konzeption der GKL und des Leistungssports für die Jugendkader. Zentraler Diskussionspunkt war die Förderung der Talentstützpunkte durch die GKL; weil ohne diese breite Basis sowohl die Talentsichtung wie auch die Mittelausgabe auf Dauer nicht zu rechtfertigen sind. Am 30.09.2017 findet das erste GKL-Symposium statt, auf der diese Diskussion fortgeführt werden soll und Wege für den Aufbau neuer und die Unterstützung der wenigen verbleibenden Talentstützpunkte besprochen werden sollen. Irene Steimbach präsentierte abschließend das Schachzentrum in Baden-Baden, das zugleich auch Träger des einzigen Bundesstützpunktes Schach ist. Aber auch durch Jugendturniere, Seminare und Kurse präsent ist. Anliegen ist es, dass diese Angebote von möglichst vielen Vereinen genutzt werden.
Leider waren durch die parallel stattfindende Schiedsrichterausbildung einige engagierte Schachfreunde entschuldigt in Absprache mit dem Präsidium. Deshalb soll in Zukunft die Terminabstimmung und Kommunikation zwischen allen Ressorts verbessert werden. Leitsatz des BSV ist hierbei, dass kein ehrenamtliches Engagement verloren gegeben wird. Auch Michael Neis bleibt dem BSV in anderer Aufgabe so erhalten. Sina Böttger, lange Zeit in der Schachjugend sehr aktiv und hoch geschätzt, wird Christoph Kahl zukünftig assistieren in der Aus- und Fortbildung.
Kritische Punkte bezogen sich auf die unglückliche Absage des Bodensee-Cups in diesem Jahr, die früh- und rechtzeitige Ankündigung von Angeboten zur Ausbildung und zur Terminabstimmung. Kritisch hinterfragt wurde der Sitzungsrhythmus der Schachjugend. Der Verbandstag endete gegen 16 Uhr rechtzeitig und harmonisch. Das Präsidium hat den Auftrag übernommen, diese vorhandenen Kommunikationsdefizite zu beheben.
 
Die zweite Welt: Der DSB
Vom 26.-28.05. tagte der Bundeskongress des DSB im schönen Mecklenburg-Vorpommern in Linstow, unmittelbar an der Seenplatte der Müritz. Das schöne Ambiente wurde aber tief eingetrübt durch eine Marathonsitzung von über 12 Stunden. Zeitweise drohte der Kongress in Abstimmungsturbulenzen ins Chaos abzustürzen. Anlass waren weniger die Kandidaturen um das Amt des DSB-Präsidenten als auch zahlreiche, teilweise unklare Anträge und eine Geschäftsordnung, die solche Situationen nicht klar regelt.
In Personalfragen standen ohne Zweifel die Kandidaturen von Ullrich Krause und Herbert Bastian (als amtierender Präsident) im Mittelpunkt. Die Wahl war offen. Im ersten Wahlgang errang Ullrich Krause (Schleswig-Holstein) die einfache Mehrheit der Stimmen mit ca. 20 Stimmen Vorsprung vor Herbert Bastian, der daraufhin auf die Kandidatur verzichtete. Die Krux war die hohe Anzahl von Gegenstimmen. Es schien als sei der Kongress auf der Suche nach neuen Kandidaten. Im zweiten Wahlgang erhielt Ullrich Krause die erforderliche absolute Mehrheit der Stimmen, bei erwartungsgemäß allerdings wiederum vielen Gegenstimmen. Der DSB bleibt sich in Personalfragen uneins. Es fehlt die Leitfigur, die alle DSB-Flügel verbinden kann.
Inhaltlich steht Ullrich Krause vor allem für eine verstärkte Förderung des Schulschachs und der Online-Angebote für das Schach. Dafür hatte er mit Walter Rädler einen anerkannten und beliebten Fachmann an seiner Seite. Für meine Person war klar, dass bei einer Niederlage von Herbert, ich für diesen Posten des Vizepräsidenten Verbandsentwicklung nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Es ist demokratischer Brauch, dass der neue Präsident mit dem Team antreten und arbeiten kann, dass ihm vorschwebt. Aus dem alten Präsidium assistieren ihm Ralf Chadt-Rausch im Finanzressort und Klaus Deventer im Ressort Leistungssport, Aus- und Fortbildung. Damit endet vorerst meine »Karriere« im DSB. Baden befindet sich nunmehr in der Opposition im DSB. Kritische Punkte werden die Neuregelung der Beiträge für passive Mitglieder, die Berücksichtigung der großen Turniere in Baden-Baden beim DSB, die Mädchenförderung und die Professionalisierung des Schachsports sein, die besonders in Baden vorangeschritten ist. Auch eine Verbandsreform scheint längst überfällig. In den Bereichen Inklusion, Migration und Mitgliederpartizipation sind Gemeinsamkeiten zu sehen.
Den Bereich Schulschach halte ich persönlich für überschätzt in seiner Bedeutung für den DSB, zumal die Effekte unklar sind (fehlender Mitgliederzuwachs und Bindung interessierter Schüler an die Vereine) und seine Varianten sehr ausdifferenziert sind, von professionellen Projekten (Tegernsee u.a.) bis hin zu ehrenamtlichen Ansätzen. Ein Patentrezept ist das Schulschach deshalb als solches nicht. Sein Erfolg für den DSB hängt sehr vom Engagement und der Kontinuität vor Ort ab. Unbestritten ist, dass alle Aktivtäten zur Verbreitung des Schachspiels beitragen und damit die gesellschaftliche Anerkennung des Schachsports unterstützen. Dies ist aber eine gänzlich andere Zielsetzung als die Förderung der Jugendarbeit im Verein oder die Gewinnung neuer Mitglieder. Es wird deshalb schwer sein, viele Vereine zu finden, die zu diesem Engagement außerhalb ihres Mitgliederspektrums bereit sind, zumal viele parallel noch die vereinsinterne Jugendarbeit und deren Förderung zu leisten haben. Dies ist traditionell mehr im Fokus der Vereine. Wenn jemand dieses Spagat leisten kann, dann wohl Walter Rädler mit seinen vielen Erfahrungen aus dem bisherigen Engagement.
Nunmehr gilt es dem neuen Präsidium die Gelegenheit zur Einarbeitung zu geben und bei gemeinsamen Anliegen konstruktiv miteinander zu arbeiten. Bei den inhaltlich kritischen Punkten sollte mit Argumenten um die Mehrheiten gerungen werden. Der BSV wird sich konstruktiv einbringen, aber auch seine Positionen gezielt und bestimmt einbringen. Befreit von bisherigen Befangenheiten ist dies besser möglich als bisher. In vielen müsste sich der DSB neu erfinden. Mehr Nähe zu den Mitgliedern und Vereinen, erst die Inhalte, dann die Personen, mehr Gemeinsamkeit und weniger das Trennende pflegen, weniger Formalismen, dafür mehr Flexibilität im Spielbetrieb, delegieren und verantworten.
Schön und hilfreich war, dass der BSV bei dieser wichtigen Versammlung mit fünf Delegierten vor Ort war, eben als Team.
Herbert Bastian hatte sich in den sechs Jahren als DSB-Vorsitzender sehr engagiert und verdient gemacht für den DSB. Als Vizepräsident der FIDE ist er derzeit der »ranghöchste« deutsche Schachfunktionär. Ich hatte ihm im DSB-Präsidium als integren und zuverlässigen Menschen kennen- und schätzen gelernt. Wechsel in Ämtern ist aber eine demokratische Gepflogenheit. Herbert Bastian ist m.E. trotz guter Arbeit für den DSB eines der unumgänglichen Opfer dieser demokratischen Tradition, die eben auch Neues ermöglicht.
Schauen wir mal.
 
Uwe Pfenning, Präsident BSV
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